Eine große Studie aus dem Jahr 2018 zeigt eindrucksvoll: Je besser Ihre Ausdauerleistungsfähigkeit (kardiorespiratorische Fitness), desto geringer ist Ihr langfristiges Sterberisiko – und es gibt offenbar keine Obergrenze für den Nutzen. Die Ergebnisse unterstreichen, warum regelmäßiges aerobes Training zu den wirksamsten Maßnahmen für eine gesunde Langlebigkeit zählt.
Die Studie im Überblick
Im JAMA Network Open analysierten Forschende der Cleveland Clinic die Daten von 122.007 erwachsenen Patientinnen und Patienten (Durchschnittsalter 53,4 Jahre, 59,2 % Männer), die zwischen 1991 und 2014 einen symptomlimitierten Belastungstest auf dem Laufband absolviert hatten. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 8,4 Jahre (insgesamt über 1,1 Millionen Personenjahre). In diesem Zeitraum verstarben 13.637 Teilnehmende.
Die kardiorespiratorische Fitness wurde anhand der erreichten metabolischen Äquivalente (METs) gemessen und alters- sowie geschlechtsspezifisch in fünf Gruppen eingeteilt:
- Niedrig (< 25. Perzentil)
- Unterdurchschnittlich (25.–49. Perzentil)
- Überdurchschnittlich (50.–74. Perzentil)
- Hoch (75.–97,6. Perzentil)
- Élite (≥ 97,7. Perzentil bzw. ≥ 2 Standardabweichungen über dem Mittelwert)
Die wichtigsten Ergebnisse
Das adjustierte Sterberisiko sank mit zunehmender Fitness kontinuierlich – ohne erkennbaren Plateaueffekt. Die „Élite“-Gruppe wies das niedrigste Risiko auf:
- Élite vs. niedrige Fitness: Hazard Ratio (HR) 0,20 (95 %-KI 0,16–0,24) → etwa 80 % geringeres Sterberisiko.
- Niedrige vs. Élite-Fitness: HR 5,04 (95 %-KI 4,10–6,20) → mehr als 5‑fach höheres Risiko.
- Selbst im Vergleich zur bereits sehr guten „High“-Gruppe war die Élite-Gruppe noch signifikant besser (HR 0,77).
Besonders bemerkenswert: Der Vorteil sehr hoher Fitness zeigte sich auch bei Menschen ab 70 Jahren sowie bei Patientinnen und Patienten mit Bluthochdruck. Extreme Fitness (≥ 2 SD über dem alters- und geschlechtsspezifischen Mittel) war mit dem niedrigsten Sterberisiko assoziiert.
Fitness schlägt klassische Risikofaktoren
Der Anstieg des Sterberisikos durch niedrige Fitness war vergleichbar mit oder größer als der Effekt klassischer Risikofaktoren:
- Koronare Herzkrankheit: HR 1,29
- Rauchen: HR 1,41
- Diabetes: HR 1,40
Niedrige kardiorespiratorische Fitness erwies sich in dieser Analyse somit als mindestens ebenso bedeutsam wie diese etablierten Faktoren.
Was bedeutet das für unseren Alltag?
Kardiorespiratorische Fitness ist ein modifizierbarer und sehr starker Prädiktor für die Gesamtsterblichkeit. Die Studie legt nahe, dass es sich lohnt, die eigene Ausdauerleistungsfähigkeit aktiv zu verbessern – unabhängig vom aktuellen Fitnesslevel und auch im höheren Alter.
Praktische Ansätze zur Verbesserung:
- Regelmäßiges aerobes Ausdauertraining (Laufen, Radfahren, Schwimmen, zügiges Gehen, Rudern oder Crosstrainer) – idealerweise mehrmals pro Woche
- Kombination aus moderatem Dauertraining (Zone 2, gutes Gesprächstempo) und gelegentlichen intensiveren Einheiten
- Eine professionelle Leistungsdiagnostik (z. B. Spiroergometrie oder Belastungstest) gibt Aufschluss über den aktuellen Stand und die Fortschritte
Wichtig: Bei bestehenden Vorerkrankungen sollte das Training immer in Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen.
Fazit
Diese große Beobachtungsstudie zeigt eindrucksvoll, dass eine höhere kardiorespiratorische Fitness mit einem deutlich niedrigeren Sterberisiko einhergeht – und dass der Nutzen auch bei sehr guten Leistungsniveaus weiter zunimmt. Im Kontext von Prävention und gesunder Alterung ist Ausdauertraining damit eine der evidenzbasiertesten und zugleich zugänglichsten Maßnahmen.
Fitness ist kein Luxus, sondern eine der wirksamsten Investitionen in die eigene Gesundheitsspanne. Wer seine kardiorespiratorische Leistungsfähigkeit verbessert, tut etwas Konkretes für ein längeres und vitaleres Leben.
Hinweis: Die dargestellten Zusammenhänge basieren auf einer großen retrospektiven Kohortenstudie und zeigen starke Assoziationen. Kausale Schlussfolgerungen sollten immer im Gesamtkontext weiterer Forschung und individueller Beratung betrachtet werden.