In der aktuellen Episode der Podcast-Serie Lifespan (Staffel 2, Episode 4) gibt Dr. David Sinclair von der Harvard Medical School einen Überblick über den Stand der ersten von der FDA freigegebenen klinischen Studie, die auf die Umkehr epigenetischer Alterungsprozesse abzielt.
Das Video „Inside the World’s First Age Reversal Trial“ behandelt ER-100, eine Therapie zur partiellen zellulären Reprogrammierung, die zunächst an der Netzhaut und am Sehnerv erprobt wird.
Für die Longevity-Forschung und auch für REJUVENS ist dieser Schritt relevant: Zum ersten Mal wird am Menschen systematisch geprüft, ob der Verlust epigenetischer Information – und nicht primär irreversible DNA-Schäden – ein zentraler Treiber des Alterns ist und ob dieser Prozess therapeutisch beeinflusst werden kann.
Der wissenschaftliche Ansatz: OSK-Reprogrammierung
ER-100 beruht auf der kontrollierten Expression der drei Yamanaka-Faktoren Oct4, Sox2 und Klf4 (OSK). Im Unterschied zur vollständigen Reprogrammierung zu pluripotenten Stammzellen wird die Expression so gesteuert, dass Zellen ein jugendlicheres epigenetisches Muster, insbesondere hinsichtlich der DNA-Methylierung, wiederherstellen, ohne dabei ihre Zellidentität zu verlieren.
Grundlage bildet die 2020 in Nature veröffentlichte Arbeit von Yuancheng Lu und dem Sinclair-Labor: OSK in retinalen Ganglienzellen von Mäusen stellte jugendliche Methylierungsmuster wieder her, unterstützte die Axon-Regeneration und kehrte Sehverlust in Glaukom-Modellen sowie bei gealterten Tieren um. Folgestudien an nichtmenschlichen Primaten (NAION-Modell) zeigten ebenfalls Verbesserungen visueller Funktionen.
Im Juni 2026 erhielt der erste Patient die Dosis im Rahmen der Phase-1-Studie (NCT07290244). Untersucht werden Sicherheit und Verträglichkeit bei Offenwinkelglaukom und nicht-arteriitischer anteriorer ischämischer Optikusneuropathie (NAION). Beide Erkrankungen sind altersassoziiert und führen zu Schäden an retinalen Ganglienzellen, für die bislang nur wenige regenerative Therapien zur Verfügung stehen. Die Studie prüft zunächst die Sicherheit; Parameter der Sehfunktion sind sekundäre Endpunkte.
Die Augen als Modell und Biomarker
Die Augen eignen sich aus mehreren Gründen als Untersuchungsobjekt:
- Sie sind eine direkte Verlängerung des zentralen Nervensystems.
- Retinale Aufnahmen erlauben eine nicht-invasive Abschätzung des biologischen Alters.
- Der „Retinal Age Gap“ (Differenz zwischen vorhergesagtem retinalem Alter und chronologischem Alter) korreliert mit dem Mortalitätsrisiko und mit neurodegenerativen Erkrankungen.
Studien auf Basis der UK Biobank und weiterer Kohorten zeigen, dass jedes zusätzliche Jahr des retinalen Altergaps mit einem erhöhten Sterberisiko (etwa 2–3 % pro Jahr) sowie einem höheren Risiko für kognitive Verschlechterung und Demenz einhergeht. Neuere Deep-Learning-Modelle erreichen mittlerweile mittlere absolute Abweichungen von unter drei Jahren und bestätigen den retinalen Alterungsbiomarker als systemischen Indikator. Auch Alzheimer-Risiken lassen sich anhand retinaler Veränderungen teilweise früher erkennen als anhand klassischer klinischer Symptome.
Praktische Hinweise zur Augengesundheit
Sinclair und Co-Host Matthew LaPlante ergänzen die Studiendaten um evidenzbasierte Empfehlungen, die an die REJUVENS-Schwerpunkte Ernährung, Lifestyle und tägliche Maßnahmen anschließen:
Licht und Umwelt
Violettes Licht (360–400 nm, kein UV) kann die Progression der Myopie hemmen. Arbeiten von Kazuo Tsubota und Kollegen deuten darauf hin, dass ausreichende Outdoor-Exposition sowie spezielles violettes Licht (über Brillengläser oder Lampen) das Längenwachstum des Augapfels dämpfen können. Viele Standardbrillen mit UV-Schutz blockieren diesen Wellenlängenbereich.
Schlafposition und Augeninnendruck
Bauchschläfer erhöhen den intraokularen Druck. Ein erhöhter Augeninnendruck ist ein etablierter Risikofaktor für Glaukom. Auch intensive körperliche Aktivitäten können den Blutdruck kurzfristig erhöhen.
Alkohol, Rauchen und NAD
Beide Faktoren beschleunigen epigenetische Alterungsprozesse und erhöhen das Risiko für altersbedingte Makuladegeneration (AMD). NAD-Booster (z. B. NMN oder NR) werden im Zusammenhang mit trockenen Augen und neuronaler Gesundheit diskutiert; die klinische Evidenz ist hier jedoch noch begrenzter als bei klassischen Nährstoffen.
Ernährung und Supplemente
Die AREDS2-Formel (mit Lutein und Zeaxanthin anstelle von Beta-Carotin) reduziert das Fortschreiten der altersbedingten Makuladegeneration. Langzeitdaten bestätigen die Vorteile von Lutein und Zeaxanthin. Weitere unterstützende Nährstoffe, die genannt werden, sind Vitamin C, Vitamin E, Zink, Omega-3-Fettsäuren, Astaxanthin sowie eine pflanzenreiche, farbenfrohe Ernährung. Kalorienrestriktion und ketogene Ansätze wirken neuroprotektiv – Themen, die bei REJUVENS bereits im Kontext von Fasten und Longevity behandelt wurden.
Einordnung
ER-100 befindet sich in einem frühen Stadium (Phase 1). Sicherheitsdaten und erste Hinweise zur Wirksamkeit werden in den kommenden Monaten und Jahren erwartet. Die Studie testet die Hypothese, dass Altern in relevanten Anteilen als behandelbarer Verlust epigenetischer Information verstanden werden kann.
Bis entsprechende Therapien in der klinischen Praxis verfügbar sind, bleiben Ernährung, Bewegung, Schlaf, Achtsamkeit und gezielte Nährstoffversorgung die zentralen, evidenzbasierten Hebel. Die Augen sind dabei ein besonders früher und messbarer Indikator für systemische Alterungsprozesse.
Das Video (ca. 72 Minuten) bietet einen direkten Einblick in den aktuellen Stand der ersten humanen Studie zur epigenetischen Reprogrammierung. Weiterführende Informationen finden sich in den Originalpublikationen, den Angaben von Life Biosciences sowie den zitierten Fachzeitschriften.